Was Thomas erlebte

von Manfred Mursch


Wir trafen uns nach längerer Pause wieder einmal zu unserer Drei-Männer-Freundschafts- runde, Thomas, Werner und ich. Werner und ich wussten, dass Thommy eine Erkrankung hinter sich hatte, aber Näheres wussten wir nicht. Noch bevor wir am Ende des Abends aufbrechen wollten, erzählte uns Thommy seine Geschichte:

Thommy: An einem Dienstag – es war die Woche vor Ostern - hatte meine Frau sich nach dem Mittag- essen zur Ruhe gelegt. Sie war erschöpft, physisch und psychisch. Die letzten Wochen hatten sie über die Maßen belastet. Ohne sie und die Hilfe meines Sohnes säßen wir hier vielleicht nicht zusammen.
Seit Anfang Januar steckte ich in einer Depression. Mitten in der Nacht hatte sie mich gepackt. Seitdem starrte ich in ihren mörderischen Rachen, in der Angst, verschlungen zu werden. An die Befreiung aus ihren Fängen konnte ich nicht glauben. Ich sah mich, ja uns alle, am Abgrund stehen, aber außer mir schien das niemand zu bemerken. Wie kann man denn da normal weiterleben?  
Ich konnte keiner geregelten Arbeit nachgehen, keine Belastung aushalten, mich auf nichts konzentrieren. Zeitung lesen, Fernsehen oder Musik hören war unmöglich. Es berührte mich nicht. Vor den Nächten fürchtete ich mich, waren sie mir doch Symbol für die ewige Nacht, die uns allen drohte. Ich lief durch die stille, leere Wohnung und fühlte mich schrecklich allein.
Das Haus kam mir wie ein Gefängnis vor. Immer wieder betete ich: Gott, hole mich heraus aus diesem finsteren Loch.
Da stand in der Nacht plötzlich meine Frau neben mir, hakte sich ein, und wir wanderten durch die Wohnung. Sie versuchte mich zu beruhigen. Von Zeit zu Zeit, wenn die Unruhe unerträglich wurde, machte sie mit mir Entspannungsübungen. Morgens gegen vier Uhr siegte meistens die Erschöpfung und ich schlief ein.
Am Mittwoch erwachte ich spät. Die Frühlingssonne schien, als wollte sie mir Mut zum Leben machen. Ich fühlte mich wohl und fand es wunderbar, mit meiner Frau am Frühstückstisch zu sitzen. Doch bald kam die Unruhe wieder. Ich musste vom Mittagstisch aufstehen und mich bewegen, als wollte ich den düsteren Gedanken davonlaufen. Meine Frau fragte, ob sie sich ein wenig ausruhen könne. Natürlich; sie brauchte die Ruhe dringend, um Kraft zu schöpfen.

Durfte ich denn keine Ruhe finden? Sollte das Umgetriebensein denn gar nicht aufhören? Bin ich bald reif für die Psychiatrie? Gott, mache mich stark, gegen diese Zwangsvorstellungen anzugehen, betete ich.
Aber auch mit mir selbst sprach ich: Lass dich nicht beherrschen von dem krankhaften Impuls. Entspanne dich, nur wenn Du stark bist kannst Du ihn in den Griff kriegen. Du bittest Gott um Hilfe, dann gib ihm auch eine Chance, etwas in dir zu bewirken. Ich legte mich zur Ruhe und fiel tatsächlich in einen tiefen Schlaf.    

Erholt wachte ich nach ca. 90 Minuten wieder auf und fühlte mich gut. Die Sonne schien wohltuend warm auf die Terrasse. Ich sah auf einmal meine Gartenblumen blühen.
Eine große Lebenslust stieg in mir auf.
Das müssen wir feiern, schoss es mir in den Kopf. Ich holte den runden Holztisch und zwei Stühle aus dem Keller. Eine Tischdecke fand sich auch, und nachdem ich Tee aufgegossen hatte, weckte ich meine Frau. Sie schaute recht verwundert aus. Das hatte sie nicht erwartet. Es wurde eine wunderbare Teestunde für uns beide. Ich fühlte mich dem Leben neu geschenkt, auferstanden aus der Umnachtung.

Seit diesem Tag ging es langsam bergauf mit mir. Allerdings weiß ich bis heute nicht, wem ich letztlich meine Genesung verdanke, den Ärzten, den Therapeuten, der Chemie?
Den Anteil des Himmels vermag ich erst recht nicht einzuschätzen.

Auf der Heimfahrt von unserem Treffen, im Auto…
Werner: Ich frage mich, warum Thommy am Eingreifen Gottes zweifelt. Schließlich hat er doch gebetet. Außerdem ist er in der Kirchengemeinde engagiert.
Ich: Er ist nicht sicher, wie er das sehen soll. Dass er in dieser verzweifelten Lage betet, verstehe ich gut. Es ist ein Schrei nach Hilfe aus der Tiefe. Das kann ich mir sogar bei „Ungläubigen“ vorstellen. Im Übrigen ist ein krisenfester Glaube ja nicht die Voraussetzung für die Mitarbeit in der Kirche. Die Gemeinschaft ist ihm wichtig, das weiß ich.
Werner: Aber ohne Glauben kann man auch in jeder anderen Organisation etwas Gutes und Sinnvolles für die Gemeinschaft tun.
Pause…
Ich: Lassen wir ihm Zeit. Wer weiß, wie er das später sieht. Aber am besten, du sprichst mit ihm selbst. Vielleicht mag er darüber reden.
Werner: Als frömmelnder, bigotter Gesprächspartner möchte ich aber nicht dastehen.
Pause…
Werner beim Abschied: Vielleicht frage ich ihn erst einmal, was er zu dem Kinderspiel meint: „Ich sehe was, was Du nicht siehst!“

Manfred Mursch, März 2021

 

 

OsterGlocke Sonnja

von Johannes Baiker


blimbimelimbimblim…

Du hast schon richtig gehört, ...hier drüben,
schau her, ich bin die OsterGlocke Sonnja…
--kühler Ostwind bringt uns zum Zittern: blbllllllllllbllllllllllbim


(wir können das aber viel feiner, zirpt ein letztes SchneeGlöckle:
„klingGlöckleklingelingklingling, klingGlöckle ling“



OsterWind trägt ihren Wunderklang vom MartinsBerg herüber:
GloriosaGlocke, Gloriosa OsterSchwingen:
Dong Dang D o n g Dang, - Wow!
Hört: „Christ ist erstanden“! Singt alle: „Christ ist erstanden“!
...den wundersamen FrühChoral.


Blim,bimblimeblim...euer kleingelbes Glöckle will auch mitbimmeln! bimblim


Was steht über euch MenschenGeschwister im 90. Psalm:
…. der du, Gott, die Menschen lässest sterben und sprichst:
Kommt wieder, Menschenkinder!
Du, Gott, lässest sie dahinfahren wie einen Strom;
sie sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird,...
.....und sprichst:
Kommt wieder, Menschenkinder!
Unser blauer Planet wartet!


klingGlöcklebimelim


Jesus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Entfacht eure OsterFeuer am Funkeln Seiner Augen!
Wärmt euch an Seinem brüderlichen Wohlwollen!
Wärmt euch aneinander!
Soo viele Kerzen brennen!
Lächelt euch zu! im liebenden Schein ihrer Flammen!
Pilgert euer LebensLabyrinth im schwingenden Singen!
Tanzt den OsterReigen! Klatscht in die Hände, trommelt den Bauch…
Lachen im WalzerTakt, drehen im FreudenTaumel….


Bim,blim!bimbimbim! Blom,bimbimelim...DONG! (klingGlöcklekli)


In 50 Tagen sammle ich meine ganze Lebenskraft in meine WurzelZwiebel,
und hoffe - vertraue - glaube, dass ich übers Jahr, -
eingezwängt in Steinen & Erde, eingeklemmt, , hindurch
...wieder zu vollem Leben in Fülle -
- er-wache.

Dann könnt ihr den Tod auslachen!
...vor dem ihr bange Angst habt..
er ist nur Verwandlung.

...unter OstWind, AprilSchnee, FrühRegen,
ja, dann entdeckt sie mich wieder: die Sonne!!
„Wonne, Wonne, über Wonne, Jesus ist die GnadenSonne“ (EG34)


D o n g D a n g blimelim, blim blimelimbim! Tönt es ungeduldigfreudig.


Ich wünsch Euch allen:
„Viel Glück & viel Segen in Eurem ewigen Leben!“
blom-bim-bom!
5 vor 12 schlagen unsere evangelischen Glocken das WunderAmen:

Du Du !

Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
lass mich so
still & froh
deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

      
  (Gerhard Teerstegen, EG165,7)


 

 

Susanna

von Horst Gamerdinger


Ich heiße Susanna. Das mit Jesus habe eigentlich nur am Rande mitbekommen, anfangs wenigstens. Ich wohne in Jerusalem und war zufällig gerade unterwegs, als er mit seinem Esel in die Stadt geritten kam. Die Leute hatten wohl schon auf ihn gewartet, manche konnten richtig viel über ihn erzählen: Dass er mit Gott redete, dass er Menschen gesund mache und andere wunderliche Geschichten. Ehrlich gesagt, ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte.

Mit einigen von seinen Anhängern habe ich noch länger geredet, mit Männern und Frauen. Diese Jesus-Leute hatten irgendetwas Besonderes an sich, ich kann gar nicht sagen was, vielleicht so etwas wie … das Gegenteil von Oberflächlichkeit… Tiefe, ja, und Aufrichtigkeit.

 

Ich habe auch von der Kreuzigung nichts mitbekommen, erst später durch die Erzählungen. Und da hörte ich, Jesus sei auferweckt worden und manche hätten ihn gesehen. Auch da wusste ich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Euch geht es heute ja bestimmt ähnlich, ihr kennt das alles auch nur vom Hörensagen.

Aber ihr habt die Zeit damals nicht miterlebt. Da lag etwas in der Luft. Es gab plötzlich so eine Aufbruchstimmung. Auferweckung passt da ganz gut. Zu der Zeit habe ich mich den Jesus-Leuten angeschlossen.
Wir wussten einfach: Was Jesus angefangen hatte, ist nicht einfach weg, es ist immer noch lebendig. Und wir sind jetzt die, die weiterleben, was er begann. Seinen Weg gingen wir damals weiter.
So hieß ja auch unsere Bewegung: „der Weg“. Weil wir einen neuen Weg gehen wollten, den Weg der Nächstenliebe, einen Weg mit viel Unterstützung und Solidarität untereinander.

 

Im Lauf der Zeit hat sich dann mein ganzes Leben verändert. Äußerlich vielleicht gar nicht so sehr. Aber meine innere Einstellung ist nun eine andere. Ich sehe ganz anders auf das Leben.
Ich fühle mich mehr mit meinen Mitmenschen verbunden, wie in einer großen Familie. Deshalb tut es mir auch besonders weh zu sehen, wie viele Menschen auf der Welt an Hunger leiden, nur weil die Nahrungsmittel nicht richtig verteilt sind.

Und ich bin dankbarer geworden.
Ich sehe viel mehr das Schöne, das Positive, das, was gut läuft.
Seitdem lebe ich viel leichter. Ich fühle mich in meinem Leben getragen.
Und dafür bin ich sehr dankbar. Ich weiß, das ist alles nicht selbstverständlich.


 

 

Maria Magdalena

von Horst Gamerdinger


Ich bin Maria Magdalena. Jesus und ich, wir waren eng verbunden.
Er hat mir sehr geholfen, als es mir richtig schlecht ging und hat mich geheilt. Er hat meinem Leben eine völlig neue Richtung gegeben. Ich fühlte mich so verstanden und angenommen wie noch nie. Es fühlte sich einfach alles so richtig an in seiner Gegenwart.

Und dann kam plötzlich sein Tod. Wir waren alle sehr enttäuscht. Ich wusste gar nicht, wie mein Leben jetzt weitergehen sollte. War jetzt alles zu Ende? Die Nähe zu Jesus, die Gemeinschaft, dieses intensive Leben. Das kann man nicht einfach abstellen und wieder so weiterleben wie vorher.

Dann brach dieser neue Morgen an. Da war alles noch einmal ganz anders. Unglaublich.
Wir waren ganz früh am Grab. Als wir ankamen, war das Grab offen und Jesus nicht darin.
„Er ist nicht hier. Gott hat ihn auferweckt.“
Das waren die Worte, die wir dort hörten, im dunklen Grab, im Raum des Todes.
Erst wusste ich nicht, was das bedeuten sollte. „Er ist nicht hier.“
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich damit etwas anfangen konnte.
Jetzt weiß ich, es kann gar nicht anders sein.
Jesus und Tod, das passt gar nicht zusammen.
Jesus, das ist Leben.
So viele Möglichkeiten, so viel Potenzial, so viel Lebensfreude und Energie.
So viel Neuanfang und Lebendigkeit!
Ich kann mir Jesus nur im Raum des Lebens vorstellen.

Das ist auch meine Botschaft an euch. Eine Botschaft der Hoffnung. Sie gilt für euch alle:
Du brauchst im Leben keine Angst zu haben!
Vertraue nur auf Gottes Liebe!
Aus dieser Liebe kannst du gar nicht herausfallen!

 

Petrus

von Horst Gamerdinger


Hallo, ich bin Petrus. Ich nehme an, ihr habt schon von mir gehört. Die Angler grüßen sich mit „Petri Heil“, weil ich auch Fischer war und damals mit Hilfe von Jesus unglaublich viele Fische fing. Die meisten von euch bringen mich wahrscheinlich irgendwie mit dem Wetter in Verbindung. Aber – das mit dem Wetter, das sind alles Gerüchte. Damit habe ich nichts zu tun.
Doch ich wollte sowieso nicht übers Wetter mit euch reden. Es geht ja um Ostern und ihr wollt wissen, was ich als Zeitzeuge zur Auferstehung zu sagen habe.
Also, es war so damals: Wir saßen da in Jerusalem. Die meisten von uns, die mit Jesus zusammen durch das Land gezogen waren, Männer und Frauen. Jesus war gestorben und begraben. Wir waren enttäuscht und traurig und wussten nicht, wie es weitergehen sollte.

Dann waren Maria und Johanna ganz früh morgens zum Grab gegangen und kamen völlig aufgelöst wieder zurück. Sie erzählten und sagten: Das Grab ist offen. Und Jesus liegt nicht mehr darin. Und sie redeten noch von einem Engel. Die beiden waren ganz durcheinander. Da bin ich losgerannt zum Grab, ich wollte alles mit eigenen Augen sehen.
Und, was soll ich sagen, es war alles so, wie die Frauen gesagt hatten. Das Grab war leer.

Ich wusste gar nicht, was ich damit anfangen sollte.
Was bedeutete das: „Er ist nicht hier. Gott hat ihn auferweckt“?
Wie soll man das begreifen?
Mit dem Verstand lässt sich sowas ja nicht erfassen.
Man müsste da vielleicht eher mit dem Herzen sehen.
Mit einer Videokamera hätte man das jedenfalls nicht filmen können.
Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich für mich formulieren konnte, was mir das bedeutet.

Auferstehung – wisst ihr, das ist für mich inzwischen auch so etwas wie ein Le-bensgefühl:
Ich weiß, mit dem Leid, der Trauer, dem Tod ist es nicht zu Ende.
Ich weiß, auch wenn ich etwas Schreckliches erlebt habe, wenn ich ganz unten bin, werde ich dort nicht bleiben.
Es wird immer wieder einen Neuanfang geben.
Vielleicht so, wie du nie gedacht hättest.
Es tut sich ein Weg auf, den du nie erwartet hättest, auf den du selbst nie gekommen wärst.
Das ist Auferstehung - mitten im Leben.

Ja, mitten im Leben. Ich sehe das so: Auferstehung ist nicht nur etwas, was Je-sus damals erlebt hat und man muss es eben glauben oder nicht.
Mir ist besonders wichtig zu sagen, dass wir alle an so etwas wie dem „Prinzip Auferstehung“ teilhaben.
Zum Beispiel, wenn man eine Krise überwindet oder nach einem Schicksalsschlag irgendwann später plötzlich einen Sinn für sich sehen kann.
Das sind kleine Auferstehungen sozusagen, für jeden von uns.
Ich nenne sie „Osterspuren“. Es gibt sie überall.
Da, wo jemandem wieder neuer Lebensmut zu fließt,
da, wo Abgestorbenes wieder aufblüht und Erstarrtes wieder in Bewegung kommt
und da, wo schon lange Totgeglaubtes wieder neues Leben eingehaucht bekommt
da geschieht jedes Mal eine kleine Auferstehung.
Immer wieder Osterspuren!

Wie gesagt, das ist sowas wie ein Lebensgefühl, in das ich hineingewachsen bin: „Prinzip Auferstehung“. Das gibt mir Hoffnung für mein ganzes zukünftiges Leben.
Osterspuren – glaubt mir, die gibt es überall, darauf könnt ihr euch verlassen!